Welpen ABC - A wie 'Abrufen, Alleine bleiben und Anspringen'

 

Ab dem Moment, wenn dein Hundebaby das erste Mal am Arm liegt, wird Oxytocin ausgeschüttet. Oxytocin ist ein Bindungshormon, das dir in der nächsten Zeit gute Dienste erbringen wird. :D 

Dein Welpe verlässt mit ca. 8 Wochen seine Familie und alles, was er bis dahin gekannt hat. Er braucht Schutz und Geborgenheit, damit er von dieser sicheren Basis aus seine neue Welt erkunden kann. 

 

 

Sobald man sich einen Hund zulegt, gibt es plötzlich viele Experten im Familien- und Freundeskreis. Mein Tipp: Bleib dir und deinem Gefühl treu, schau was für dich und deinen Welpen am passendsten ist und ignoriere bitte alle Tipps die mit Gewalt und vermeintlicher ‚Dominanz’ zu tun haben.

Es gibt auch keinen Welpenschutz und Ratschläge wie ‚Die klären das unter sich‘ gehen eigentlich immer schief.  Wenn dein Welpe keinen Schutz oder Sicherheit von dir bekommt, lernt er, Situationen auf seine Art und Weise zu regeln. Dinge wie ‚Nackenschütteln‘ oder ‚Alpharolle der Unterwerfung‘ sind damit tabu und können körperlichen und seelischen Schaden beim Hund verursachen! 

Du hast dich für einen Hund entschieden, das bedeutet auch Verantwortung für ihn und sein Verhalten in allen Situationen zu übernehmen. Hunde, wie übrigens ALLE Säugetiere, haben das gleiche Nervensystem wie wir Menschen und fühlen AngstFreudeTrauerÜberraschungWut und so weiter. 


Ankommen

Bereite dich am besten schon vorab auf das neue Leben mit deinem Welpen vor. Hier findest du umfassende Buchtipps und ich unterstütze dich gerne mit einem individuellen Einzelgespräch für einen optimalen Start ins Leben. 

Mach die Wohnung Welpensicher: Teppiche raus, wertvolle Gegenstände und Dekoartikel vorerst verstauen und bitte einigt euch innerhalb der Familie vorab auf gemeinsame Regeln für euer Zusammenleben. Was darf dein Welpe, was nicht? Darf dein Welpe auf die Couch oder ins Bett? Lasst euch dabei nicht zu sehr reinreden, es ist eure Familie und für euch als Menschen und für deinen Welpen soll ein harmonisches Miteinander rauskommen, für eine gemeinsame unvergessliche Zeit eures Lebens.

Eure Basisausstattung sollte ein Brustgeschirr, eine 3 Meter Leine, einen KONG®, viel Kaumaterial und ähnliches Spielzeug umfassen. Tipp: Für kleine Hunderassen findet ihr hier einen tollen Artikel, mit den Bestellinks zu Kong® Spielsachen.  

Bitte lade alle Verwandten und Freunde die ersten Tage eher aus, damit dein Welpe in aller Ruhe dich und seine neue Umgebung kennen lernen kann. Du hast die Tage und Wochen später noch genug Zeit um neue Menschen kennen zu lernen. 

Lass deinen Welpen  viel ruhen und schlafen, er braucht bis zu 20 Stunden Schlaf am Tag und nur kurze Spaziergänge. Die Regel ist eine Minute Gassi pro Lebenswoche! 


Abrufen

Überlege dir ein Abrufwort, das sich auch über größere Strecken ziehen lässt wie etwa ‚Hiiiiiiieeeer‘. Übt die ersten Schritte im Wohnzimmer aus kurzer Distanz und ruf zuerst den Namen deines Welpen, dann das Abrufwort und belohne deinen Welpen mit Leckerlies. Spiele den Cheerleader und rufe und lobe deinen Welpen enthusiastisch mit hohem Tonfall. So bleibt dein Hund motiviert und hat Spaß am Training. Wiederhole das Abrufen so oft wie möglich in verschiedenen Umgebungen und aus unterschiedlichen Distanzen.

Auch das Nutzen eines Pfeifsignales zum Rückruf eignet sich. Besonders effektiv wird der Rückruf, wenn dieser jedesmal mit sehr guten Leckerlis oder der Leberwurst belohnt wird. Rufe deinen Welpen zunächst mit dem Abrufwort und pfeife sofort danach. 

Nimm Belohnungen, für die es sich wirklich für deinen Welpen lohnt, zu dir zu kommen. Das kann neben tollen Leckerlies auch das Zerrseil oder der Ball sein. Mach es dir und vor allem deinen Welpen zu Beginn einfach indem du ihn nur rufst, wenn er nicht abgelenkt ist und auch reagieren kann. Sollte dein Welpe trotz wenig Ablenkung und toller Belohnung nicht kommen, lauf schnell in die andere Richtung weg, mach aber auf dich aufmerksam mit Händeklatschen und rufen. Wenn dein Welpe dann nachrennt, bleib stehen und lobe und belohne ihn fürs Kommen. 

Viele Hunde mögen es gar nicht, wenn sie nach dem Abrufen gestreichelt werden. Achte auf die Körpersprache deines Hundes um das Herauszufinden. 


Alleinebleiben

Gewöhne deinen Welpen langsam und behutsam an das Alleinebleiben. Warte aber nicht zu lange mit den ersten Traingingsschritten, sodass dein Welpe gut für den Alltag vorbereitet ist. Achte darauf, dass sich dein Welpe vor dem Alleinebleiben gelöst hat und austoben konnte.

Bereite zunächst einen KONG® vor, befülle diesen schichtweise mit Feuchtfutter, Leberwurst und Leckerlies. Dein Welpe soll so lernen den KONG® auszulecken. Lecken ist eine natürliche Stressbewältigung und wirkt beruhigend. Dein Welpe bekommt den KONG®, und die Menschen verlassen den Raum, wenn er sich damit beschäftigt. Nach kurzer Zeit kommt ihr wieder zurück und der KONG® wird weg genommen. Dehne die Zeit des Wegbleibens langsam so lange aus, solange dein Welpe mit dem KONG® beschäftigt ist. 

Dein Welpe lernt so, das Weggehen der Menschen mit der Freude über den KONG® zu verknüpfen. Die Rückkehr der Menschen wird mit der leichten Enttäuschung, den KONG® wieder zu verlieren, verknüpft. Dieses Training kann super mit der Box kombiniert werden indem der KONG® und andere Kauartikel immer in der Box präsentiert werden.


Angst

Selbst Welpen, die gut vom Züchter vorbereitet wurden und viele Reize kennen gelernt haben, können auch manche Situationen unsicher oder ängstlich reagieren. Angst hat, biologisch betrachtet, den Sinn, das Überleben zu sichern. Für deinen Welpen geht es also in seiner Welt, ums Überleben. Biete ihm Schutz und Sicherheit, wenn er erschrickt oder unsicher wird. So wirst du zur Anlaufstelle bei Angst und Schwierigkeiten. 

Ein weiterer Vorteil, wenn du für deinen Welpen da bist, wenn er dich braucht ist, dass dein Welpe keine anderen unerwünschten Verhaltensweisen an den Tag legt um sich aus der Situation zu manövrieren und Erleichterung zu schaffen. Wegzulaufen oder Aggression zu zeigen wird nicht notwendig wenn dein Welpe dir vertraut und sich an dich wenden kann und dir vertraut, dass du ihn in der Situation unterstützt

Gewöhne deinen Welpen jeden Tag mehr an die Umwelt, zeigt ihm verschiedene Reize und Situationen und erlebt täglich ein kleines Abenteuer gemeinsam. Belohne ihn ausgiebig fürs ruhige Hinschauen und Erleben von Autos, LKW’s, Traktoren, Jogger, Radfahrern und anderen Hunden auf Distanz


Auf-den-Arm-nehmen

Es gibt viele Meinungen dazu, doch die Fachliteratur bestätigt: Nimm deinen Welpen in kritischen Situationen hoch um eine schlechte oder traumatische Erfahrung zu verhindern. Das stärkt die Bindung zueinander und schützt deinen Welpen vor Verletzungen und Traumen. 


Aufreiten

Das Aufreiten kann viele Gründe haben und hat meist weniger mit sexuellen Motiven und schon gar nichts mit Dominanz zu tun. Viel mehr geht es um den Stress deines Welpen in der jeweiligen Situation und das Aufreiten ist oft eine sogenannte 'Übersprungshandlung' deines Hundes.

Das Problem ist, dass viele Hunde und auch Menschen das Aufreiten nicht als höflich empfinden und sich dein Welpe bei anderen Hunden ganz schön Ärger einhandeln kann. 

Verhindere das Aufreiten so gut wie möglich und unterbrich das Verhalten indem du deinen Welpen sanft am Geschirr runter nimmst und fürs 'am Boden bleiben' belohnst


Aus

Dein Welpe nimmt trotz genügend Kau- und Spielartikel alles in den Mund was nicht niet- und nagelfest ist? Dann kannst du das Abgeben trainieren. Am einfachsten funktioniert das mit der Spielzeug-Leckerchen-Tausch-Methode: Dein Welpe kaut am Spielzeug, du sagt ‚Aus‘, wartest kurz und präsentierst dann das Futter zum Tausch. Das Mäulchen klappt auf und du kannst das Spielzeug sicher entfernen.

Übe das wieder mehrfach täglich mit verschiedenen Gegenständen und an verschiedenen Orten, steigere aber bitte wie immer die Ablenkung langsam.

Passe die Belohnung auch entsprechend an. Ist es nun das super Lieblingsspielzeug, werden trockene Hundekekse vielleicht nicht zur Abgabe reichen, sondern es braucht eine Leberwurst. 


Autofahren

Wenn du deinen Welpen das erste Mal nach Hause holst, nimm ihn am besten auf den Schoß. Auch die nächsten Autofahrten kann dein Welpe zum Entspannen von dir kraulend am Schoß verbringen. Verhindere möglichst, dass dein Welpe aus dem Fenster raus schauen kann, denn durch das Entspannen am Schoß lernt er, was er im Auto tun soll, nämlich schlafen und das Autofahren in der Box wird entspannt werden. 

Die Autobox sollte eher klein, eng und gemütlich ausgepolstert sein und gut befestigt, damit sie nicht herumrutschen kann im Auto.


Quelle und Buchtipp: ‚Das Welpen-ABC Junge Hunde positiv fördern und erziehen: Von Auf-den-Arm-Nehmen bis Zerrspiele' von Madeleine Franck & Rolf C. Franck