Welpen ABC - von Q wie "Quietschspielzeug", R wie "Rangordnung" und S wie "Schüchternheit".


Quietschspielzeug

Dem Quietschspielzeug wird nachgesagt, dass es negative Auswirkungen auf die Beißhemmung des Hundes haben soll. Demnach klinge das Quietschen ähnlich den Schmerzgeräuschen eines Menschen oder eines Hundes. Ein 'Quietschi' kann wirklich eine sehr nervige Angelegenheit für die Menschen sein, negative Auswirkungen auf die Beißhemmung wurden noch nie beobachtet oder durch Studien belegt.

Viel mehr wird im Alltag beobachtet, dass Hunde eine Riesenfreude mit diesen 'Quietschies' haben und diese Spielsachen als Jackpot Belohnungen zum Einsatz kommen können, wenn dein Welpe etwas hervorragend gemeistert hat. 

Photo by Justin Veenema on Unsplash


Rangordnung

Die Ursprünge der Rangordnungstheorie basieren darauf, dass der Hund ein entfernter Verwandter des Wolfes ist. So wurden im Rahmen einer Studie in den 1930er Jahren Wölfe beobachtet und daraus Ableitungen für den heutigen Haushund getroffen. Nur gibt es bei dieser Studie einige sehr wichtige Punkte, die nicht beachtet wurden: Beobachtet wurden nämlich nur in Gefangenschaft lebende Wölfe, heisst sich fremde Männchen & Weibchen unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft. Die wild zusammengewürfelten Wölfe wurden in einem Areal gemeinsam eingesperrt, die Spannungen waren damit vorprogrammiert.

In der freien Wildbahn besteht das Wolfsrudel aus den Elterntieren und den Nachkommen, die zwischen 9 Monaten und 3 Jahre nach der Geburt das Rudel verlassen und die bis dahin in einem gemeinsamen Familienverband leben. 

Vergesst daher bitte alle abstrusen 'Rangordnungsregeln' wie 'Essen Sie selbst, bevor der Hund gefüttert wird, denn der Alpha isst zuerst.' oder 'Der Hund gewinnt nie ein Beutespiel, denn die Trophäe gewinnt immer der Alpha.', denn diese leiten sich von einer längst widerlegten Studie ab. 

Dein Hund darf dein Freund und Gefährte sein und auch dann Essen, wann seine Fütterungszeit ist und auch mal beim Spielen 'gewinnen', zuerst durch eine Tür gehen oder auf die Couch, ohne dass er damit die Weltherrschaft an sich reißt. :) 

Photo by Yannick Menard on Unsplash


Rudelführer

Menschen können keine Rudelführer oder Alphaltiere sein in einer sozialen Gemeinschaft, die sie mit Hunden eingehen, da sie keine Hunde sind. Der Hund weiß, dass er kein Mensch ist. Der Hund fühlt sich uns Menschen zugehörig, aber nicht als Mitglied dieses Menschenrudels.

Der Hund denkt nicht wie wir, verhält sich anders, riecht anders und lebt nicht nach den gleichen Richtlinien und Werten wie Menschen. Wenn sich Rudelstrukturen bilden, dann innerhalb der gleichen Art. Menschen und Hunde bilden eine Gruppe, einen Familienverband, jedoch kein Rudel. Deshalb können Menschen nicht mit Hunden kommunizieren, als ob sie selbst ein Hund wären. Der von manchen 'Pack Leadern' propagierte und leider viel zu oft in TV Shows gezeigte Alphawurf, der Hund wird am Nacken gepackt und in die Rückenlage auf den Boden gezwungen, hat als Folge einen verwirrten, ängstlichen und unsicheren Hund. Nur ein extrem aggressiver Hund würde einen anderen Hund so attackieren und das in der Absicht ihn zu töten

Das Ergebnis der Durchsetzung der Rangordnungstheorien ist ein apathischer Hund, der sich und seiner Umwelt nicht mehr traut, weil er willkürlichem Schmerz und Angst ausgesetzt ist. Für viele Menschen wirkt der Hund dann ‚brav‘, weil er sich sehr ruhig und unterwürfig verhält und kaum auf die Umwelt oder andere Hunde reagiert. Der Fachbegriff dazu beschreibt die Lage des vermeintlich 'braven' Hundes besser und heisst ‚erlernte Hilflosigkeit‘: Ein depressiver und innerlich verzweifelter Hund. 

Sei daher bitte immer plan- und lesbar für deinen Hund und gib ihm dadurch Sicherheit und Vertrauen in die menschliche Welt und verzichte auf jegliche Form der Gewalt deinem Hund gegenüber. 

Photo by Anoir Chafik on Unsplash


Rituale

Hunde lieben es, wenn sie Situationen einschätzen und vorhersehen können. Das Gefühl von Sicherheit schafft Vertrauen und bringt Ruhe in den Alltag. Gerade Welpen und Hunde aus dem Tierschutz brauchen zu Beginn viel Struktur und auch Rituale, um sich gut einleben zu können. Ihr könnt zum Beispiel üben, dass der Welpe sich vor dem Gassi gehen ruhig hinsetzt, damit er angeleint werden kann, bevor es zum Spaziergang geht. So wird die Aufbruchstimmung generell ruhiger und es gibt weniger Anspringen, In-die-Leine-Beißen oder ähnliches Verhalten.  

Photo by Florencia Viadana on Unsplash


Schüchternheit

Auch wenn dein Welpe nicht vieles von der Welt kennenlernen durfte von der ZüchterIn oder nicht viel kennenlernen konnte durch den Aufenthalt im Tierheim, und deswegen einen ängstlichen und unsicheren Eindruck macht, kann sich dein Welpe trotzdem zu einem tollen Hund entwickeln. Zum Einen braucht es dafür Zeit und zum Anderen braucht es viele positive Erfahrungen mit Menschen, fremden Hunden und neuen Situationen.

Wichtig ist, die Situationen so zu gestalten, dass sich dein Welpe nicht überfordert oder ausgeliefert fühlt und die neue Lage in seinem Tempo in Ruhe erkunden kann. Das steigert das Selbstbewusstsein deines Welpen. 

Photo by Mysaell Armendariz on Unsplash



Quelle und Buchtipp: ‚Das Welpen-ABC Junge Hunde positiv fördern und erziehen: Von Auf-den-Arm-Nehmen bis Zerrspiele' von Madeleine Franck & Rolf C. Franck 


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